Teppichkunde

Erläuterung der Materialien

Jeder Teppich entsteht aus vielen einzelne Fasern. Diese Fasern werden unterschieden in Naturfasern und Kunstfasern. Im Folgenden werden die Fasern vorgestellt, die bei der Teppichproduktion zum Einsatz kommen.

Naturfasern

Baumwolle
Wolle
Seide
Kuhfell

Kunstfasern

Viskose
Polyacryl
Polyester
Polypropylen

 


Naturfasern

Baumwolle                                  

Baumwolle ist ein pflanzliches Produkt, welches meist in tropischen oder südtropischen Gebieten der Welt, wie Indien oder China angebaut  und produziert wird. Baumwolle gehört zur Familie der Malvengewächse und wird aus bis zu sechs Meter hohen Sträuchern (Gossypium herbaceum) gewonnen. Als Faserpflanze genutzte Kulturart wird die Baumwolle aus den mehrere Zentimeter langen Samenhaaren gewonnen. Zusätzlich liefern die enthaarten Samen Öl für technische Zwecke und zur Margarineherstellung.

Baumwolle ist eines der gängigsten Materialien zur Teppichherstellung. Durch die Flexibilität, Saugkraft und Richtungsstabilität des Materials sind die damit verarbeiteten Teppiche in allen Räumen in Ihrem Zuhause gut einzusetzen.

Wolle

Wolle ist ein tierisches Produkt. Es wird dabei zwischen Schur- und Gerberwolle unterschieden. Die Schurwolle wird vom lebenden Schaf gewonnen und besitzt die höchste Wollqualität. Die Gerberwolle wird hingegen von einem bereits toten Tier geschoren und bringt eine weniger gute Qualität mit sich.  Neben diesen Faktoren sind viele weitere Aspekte für die Qualität der Wolle verantwortlich. Hierzu gehören beispielsweise das Alter des Schafs, die geschorene Körpergegend, die Lebensbedingungen des Tiers sowie der  Zeitpunkt der Schur. In der Teppichherstellung ist Wolle ein unverzichtbares Material. Sie wird meist noch per Hand gesponnen und je nach Härte des Spinnens, für den Flor, Garn für die Kette oder dem Schuss eines Teppichs genutzt.

Seide

Seide ist ein Naturprodukt, welches aus den Kokons der Seidenraupen gewonnen wird. Seidenraupen ernähren sich von den Blättern des Maulbeerbaumes und werden kurz vor dem Schlüpfen durch heißes Wasser getötet. Der bis dahin entstandene Seiden- Kokon wird dann abgewickelt und weiterverarbeitet. Nach wie vor wird Seide überwiegend in China produziert. Jedoch sind Japan und Indien weitere wichtige Erzeugerländer von Seide. Der Seidenteppich bildet die Luxusklasse der Teppiche – und das aus gutem Grund. Durch die aufwendige und komplizierte Produktion entstehen vergleichsweise hohe Kosten. So bedarf es für 500g Rohseide über 6000 Seidenkokons.

Signifikante Merkmale von Seide sind die Stabilität und die Strapazierfähigkeit. Ein Naturprodukt der Extra-Klasse. Die besonders weiche, robuste  und feine Struktur der Seide sind Aspekte, welche dieses Material zu einem idealen Werkstoff für Teppiche macht. Aufgrund der hohen Knüpfdichte wirken Seidenteppiche zusätzlich sehr edel und hochwertig. Jeder Seidenteppich ist ein besonderes Unikat.

Kuhfell

Kuhfell ist ein tierisches Produkt. Nach dem Tod des Tieres wird die Haut mit dem Fell abgezogen und in einem klassischen Gerbverfahren weiterverarbeitet. Jedes Tier besitzt eine andere Fellzeichnung und macht jeden Teppich zu einem wertvollen Einzelstück. Die Felle werden von Hand geschnitten und neu zusammengenäht. Hierdurch entstehen durch ein geschultes Auge diverse Designs und somit eine große Vielfalt. Brasilien ist eines der Länder, die sich auf Kuhfell-Teppiche spezialisiert und die Weiterverarbeitung perfektioniert haben. Prägnant an diesen Teppichen sind  die verschieden natürlichen Merkmale der Haut. Dies macht wirklich jeden Teppich zu einem ganz besonderen Unikat. Ein Kuhfellteppich steht für gemütliche Eleganz und Exklusivität.

 

Kunstfasern

Viskose

Viskose ist eine aus Cellulose chemisch hergestellte Faser. In mehreren Schritten werden diverse chemische Zusammensetzungen zu einem Viskosefilamentgarn verarbeitet. Durch zusätzliches Schneiden dieses Filamentgarns entsteht dann daraus die Viskosefaser. Viskosefasern werden gerne in Verbindung mit weiteren Fasern wie  Baumwolle, Wolle und Polyester verarbeitet. Viskose besticht durch seine extreme Saugfähigkeit und wird vorwiegend in der Textilbranche und in der Medizin verwendet. Jedoch werden die Vorteile wie Saugkraft und Elastizität auch in der Verarbeitung  von maschinellen Teppichen geschätzt.

Polyacryl

Polyacryl gehört wie Viskose zu den Kunstfasern und ist eine wollähnliche Faser, die schon seit mehr als 65 Jahren in Deutschland produziert wird. Polyacryl steht für eine pflegeleichte, lichtechte und chemikalienbeständige Faser. Des Weiteren verfügt Polyacryl über eine hohe Dichte, welches die Faser extrem leicht und feuchtigkeitsabweisend macht. Polyacryl wird in maschinellen Teppichen verarbeitet, da es eine sehr beständige Farbintensität aufweist und somit vor dem Ausbleichen durch die Sonne und anderen Lichtquellen schützt. Auch die Flexibilität spielt hier eine Rolle. Selbst bei mehrfachem Knicken des Teppichs bleibt dieser in seiner Ursprungsform und wirft keinerlei Falten.

Polyester

Polyester  sind synthetisch zusammengesetzte Kunststoffe. Ähnlich wie Polyacryl wird es schon seit mehreren Jahrzenten in Deutschland und weiteren Ländern produziert. Polyester gehört zu der weltweit bekanntesten und meist verarbeiteten Synthetik-Faser. Nicht nur für Kleidung, sondern auch zur Herstellung von Möbeln sowie Teppichen wird die Faser gerne genutzt. Ebenso wie Polyacryl besticht Polyester durch eine hohe Strapazierfähigkeit, Farbintensität und ein gutes Feuchtigkeitstransportvermögen. Somit sind mit Polyester verarbeitete Teppiche nahezu wasser- und feuchtigkeitsabweisend.

 Polypropylen

Polypropylen ist ein weiterer synthetischer Kunststoff, welcher am zweithäufigsten in aller Welt genutzt wird. Polypropylen ist meist in Verpackungsmaterial verarbeitet. Die vielfältigen Eigenschaften von Polypropylen lassen sich sehr gut für die Herstellung von Teppichen nutzen. Die größte Rolle hierbei spielt die vollkommen wasserabweisende Wirkung. Dies macht die Faser gerade für Teppiche interessant, die der täglichen Abnutzung ausgesetzt sind. Kinder-, Bad- und Flurteppiche können hiervon besonders profitieren. Ebenso wie die schon zwei zuvor genannten „P‘s“ der Kunstfasern weist Polypropylen eine hohe Strapazierfähigkeit, eine extreme Farbintensität und Flexibilität auf. Polypropylen ist die am  vielseitigsten einsetzbare Kunststofffaser unter den synthetischen Fasern.

 


 

Verarbeitungstechniken

Handgeknüpft

Handgeknüpfte Teppiche werden in einem aufwendigen Verfahren von Hand produziert. Flormaschen werden händisch auf eine Kette vorwiegend aus Wolle, Baumwolle und Leinen gezogen. Über die ganze Breite des Teppichs wird ein Knoten nach dem anderen eingeknüpft.

Schritt 1: Im ersten Schritt geht es um die Gewinnung und Auswahl des Materials. Hochwertige Materialien, wie z.B. Schafwolle, Baumwolle oder Seide kommen dafür in Frage. Schafwolle wird beispielsweise durch das Scheren des Schafes gewonnen.

Schritt 2: Im zweiten Schritt wird das gewonnene Material, in diesem Fall die Schafwolle, gesponnen und zu einem hochwertigen Garn weiterverarbeitet.

Schritt 3: Im Folgenden steht die Färbung des Materials bzw. des zuvor gewonnenen Garns an. Dazu wird das Garn mehrere Male in ein Farbbad getaucht. Hier werden keinerlei chemische,  sondern Farben aus natürlichen Erzeugnissen wie Pflanzen, Insekten und Mineralien verwendet.

Schritt 4: In Schritt 4 wird das zuvor gefärbte Garn getrocknet. Hierzu wird das Garn in Bündeln aufgehängt.

Schritt 5: Jetzt beginnt der Designprozess. Hierzu wird das gewünschte Design auf Millimeterpapier skizziert und kästchenweise aufgemalt. Jedes Kästchen stellt einen Knoten dar und dient später zur Vorlage für die Knüpfung.

Ab hier beginnt die eigentliche Knüpfung

Schritt 6: Knüpfung: Im ersten Schritt wird ein Netz aus Garn in der Größe des gewünschten Teppichs ausgebreitet. Dieses Netz wird auch Kette genannt und besteht aus vielen kleinen viereckigen Kästchen.

Schritt 7: Nun wird ein kleiner Faden der Wolle benutzt und durch das Kästchen gezogen. Mit einem Handgriff wird dieser dann mit der Kette verknüpft und verknotet. Dies wird Kästchen für Kästchen vorgenommen.

Schritt 8: In Schritt 8 wird der entstandene Flor geschnitten und poliert.

Schritt 9: Schritt 9 stellt die Säuberung des Teppichs dar. Hierzu wird der Teppich mit klarem Wasser durchgespült und von Mitarbeitern mit einem speziellen  Feger geputzt. Somit verliert der Teppich Schmutz und überschüssige Farbe.

Schritt 10: In Schritt 11 wird der Teppich nun getrocknet. Dies geschieht an der frischen Luft mit bevorzugter Sonneneinstrahlung. Hier entfaltet der Teppich seine letzten farblichen Nuancen.

Schritt 11: Abschließend wird der Teppich durch ein geschultes Auge auf Unreinheiten oder herausstehende Fasern überprüft. Dieser Schritt dient zur Qualitätssicherung.

 

Maschinell geknüpft

Maschinell geknüpfte Teppiche werden in einem großen mechanischen Webstuhl gesponnen. Hierzu wird Garn von tausenden von Garnrollen in einen großen mechanischen Webstuhl geführt. Dadurch wird der Teppich ausgehend von einem bestimmten Muster in kurzer Zeit gewebt. Bei der Fertigung selbst, die in festen Breiten erfolgt, können verschiedene Muster und Größen gleichzeitig hergestellt werden. Es werden maximal 8-10 Farben in einem Teppich-Design kombiniert. Im Anschluss an den Webprozess werden die diversen Muster und Größen auseinander geschnitten, wonach sie zur besseren Stabilität mit Kanten versehen werden. Es ist nicht unüblich, dass diese Teppiche nachträglich mit Fransen versehen werden. Sie werden an den Schmalseiten angenäht. Damit unterscheidet sich der maschinell hergestellte Teppich von den Fransen der handgeknüpften Teppiche, bei denen sie einen Teil des Kettenfadens darstellen.

Handtuft

Bei diesem Verfahren wird zunächst eine Folie mit einem Design ausgeschnitten und auf das Trägergewebe gelegt. Durch das Auftragen von Farbpartikeln auf das Trägergewebe wird das Design sichtbar gemacht. Mit einer Handtuft-Maschine werden Florfäden von hinten entlang der „aufgemalten“ Musterung durch das Trägergewebe geschossen. Die zunächst losen Florfäden werden meist durch Latex fixiert. Zur Veredelung des Teppichs wird dieser schlussendlich mit der Hand kurz geschoren und geschnitten.

Handgewebt

Ein handgewebter Teppich wird  mithilfe eines Garns in mehreren Schritten in einem Webstuhl gesponnen. Faser für Faser wird dabei übereinander gelegt. Handgewebte Teppich sind flachgewebt und besitzen somit keinerlei Knoten. Hierbei bietet der Teppich eine äquivalente Vorder- und Rückseite.

Handloom

Handloom ist eine Technik, mit der ein Teppich ebenfalls von Hand gewebt wird. Hier werden dieselben Schritte wie beim klassischen Weben von Hand ausgeführt, jedoch wird zur Vollendung ein Flor durch das typisch entstandene Flachgewebe geknüpft. Im Anschluss wird dieser Teppich dann per Hand gekürzt.